#OERcamp in Hamburg: gemeinsames Tüfteln an OER - Die Schulwerkstatt

#OERcamp in Hamburg: gemeinsames Tüfteln an OER

Barcamp und Werkstatt in einem

In unserem Blog haben wir bereits mehrfach zum Thema OER berichtet (Open Educational Resources: offene und zeitgemäße Bildung; OER im Qualitätscheck). Da auch wir Lehrerinnen und Lehrer bei der Recherche, Erstellung und Evaluation von OER in Form von Workshops unterstützen, besuchten wir vom 20. bis 23. Februar 2020 unser erstes #OERcamp. Es handelte sich dabei um ein ganz besonderes Format: Die ersten anderthalb Tage wurden als klassisches Barcamp gestaltet. Das bedeutet, dass vor allem der Austausch zwischen den Teilgeber*innen (Da es beim Thema OER vor allem ums Teilen geht, verwendet die Community den Begriff Teilgeber*in anstelle von Teilnehmer*in.) im Zentrum stand. Hierfür konnte jede*r Teilgeber*in Sessions zu einem beliebigen Thema anbieten.

Daran schloss sich eine Werkstatt #OERcamp meets Hacks&Tools an. Hier stand vor allem die Erstellung eigener Materialien und Tools unter freier Lizenz im Mittelpunkt, wobei in Teams gearbeitet wurde. Zusätzlich erhielten die Teilgeber*innen Unterstützung durch zahlreiche Coaches, die die einzelnen Teams berieten und Inputvorträge anboten. Dieser zweite Campteil fand an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) statt, die Teil der Hamburg Open Online University (HOOU) ist.

Für unsere Teilgabe am OERcamp haben wir uns mit Anne Peters (Lehrerin und Lerncoachin; Entwickler*in des LOA-Lernansatzes) von den LOA-Lernfreunden zusammengetan. LOA steht für „Lernen ohne Aufgaben“ und meint damit, dass Lehrende und Lernende den direktiven Lernmodus verlassen und im kokreativen Modus zusammenkommen. Da die Materialien von LOA aktuell vor allem analog vorliegen, wollen wir diese gemeinsam digitalisieren sowie digitale Konzepte im Sinne des LOA-Ansatzes entwickeln.1

#OERcamp Classic: Networking und Austausch

Das klassische #OERcamp wurde durch Sessions strukturiert. In diesen kamen Teilgeber*innen verschiedenster Professionen und Institutionen zusammen. Neben Lehrer*innen, Pädagog*innen und Lerncoaches waren dies auch Vertreter*innen von Hochschulen und Volkshochschulen. Themen waren unter anderem die fehlende Unterstützung des Themas OER durch die Politik sowie offene Tools für die Erstellung von OER. Gemeinsam mit Anne informierten wir uns vor allem zu der freien und quelloffenen Software H5P . Mit dieser lassen sich verschiedene interaktive Übungen erstellen, die dann beispielsweise auf einer WordPress-Website eingebunden werden können. So können Nutzer*innen Drag&Drop-Übungen, Vokabelkarten oder Lückentexte kreieren. Eine Übersicht der verschiedenen H5P-Inhalte könnt ihr auf dieser Glitch-Seite finden. Da H5P offen ist, kann jede*r stets neue H5P-Tools entwickeln. Diese könnt ihr zum Beispiel über die H5P-Bibliotheken auf GitHub finden.

Kontakte knüpfen auf derm #OERcamp.Quelle: EDU-Werkstatt GmbH | All Rights Reserved
Unse erste Session auf dem #OERcamp Classic fand unter dem Titel "Hilft H5P gegen die Artikelfalle? Grammatik lernen wie 'nen Tanz!" statt.Quelle: EDU-Werkstatt GmbH | All Rights Reserved
H5P-Präsentation unserer ersten Session.

Außerdem haben wir selbst verschiedene Sessions zum Thema H5P angeboten. In „Hilft H5P gegen die Artikelfalle? Grammatik lernen wie ‘nen Tanz!“ und „H5P-Programmierwunsch: diskrete Lernwegsdokumentation“ diskutierten wir, wie sich H5P für den LOA-Ansatz nutzen lässt. Dies bedeutete vor allem eines: Inhaltstypen zu finden, die über klassische Richtig-Falsch-Übungen hinausgehen. Ergebnis dieser Diskussion war die Idee der Entwicklung einer diskreten Lernwegsdokumentation. Diese soll den Lernenden die Möglichkeit geben, ihren aktuellen Lernstand zu erfassen, ohne dabei in direkten Kontakt mit eine*r Lehrenden treten zu müssen. Hierfür beantworten die Schüler*innen verschiedene Fragen bzw. schätzen sich selbst ein. Entsprechend des LOA-Ansatzes, der mit den fünf Lernstufen (1) Beobachten, (2) Einüben, (3) Können, (4) Weitergeben und (5) Anwenden arbeitet, können sich Lernende der Stufen 1-3 dann Hilfe bei eine*r Lerner*in der Stufe 4 suchen.

#OERcamp meets Hacks&Tools: Material- und Tooldesign

Auf dem anschließenden #OERcamp meets Hacks&Tools arbeiteten wir weiter an unserer Idee einer Lernwegsdokumentation. Hierbei unterstützten uns verschiedene andere Teilgeber*innen . Auch Coaches wie Oliver Tacke (Wirtschaftsinformatiker, H5P-Entwickler) oder Andrea Schlotfeldt (Rechtsanwältin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Juristische Beratung Team HOOU@HAW) gaben uns Hinweise für die Umsetzung unserer Idee. Es wurde jedoch schnell klar, dass H5P nicht die geeignete Software zur Entwicklung eines Tools zur Lernwegsdokumentation ist. Stattdessen entschieden wir uns für die Programmierung eines WordPress-Plugins. Auch dieses soll unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden. Dies bietet den Vorteil, dass verschiedene WordPress-Nutzer*innen das Plugin frei nutzen können und mit unterschiedlichen Inhalten füllen können. So kann ein*e Deutschlehrer*in einen Lernstand zu einem ganz anderen Thema erfassen, als ein*e Lehrende*r einer Volkshochschule. Außerdem soll der jeweilige Lernstand grafisch visualisiert werden. Dies soll in Form einer sich Schritt für Schritt wachsenden Blüte erfolgen.

Unser Teamstand: Grammatik lernen wie 'nen Tanz!Quelle: EDU-Werkstatt GmbH | All Rights Reserved
150.000€ Förderung durch die HOOU

Natürlich reichten zwei Tage #OERcamp meets Hacks&Tools nicht aus, um ein Plugin zur Lernwegsdokumentation zu entwerfen, zu konzipieren und zu programmieren. Stattdessen unterstützten wir Anne bei der Stellung eines Förderantrages beim Team der HOOU@HAW zur Umsetzung der Idee einer Lernwegsdokumentation. Gemeinsam planten wir Umsetzungsmöglichkeiten und feilten an Antrag und Pitch. Nachdem sich eine Jury aus verschiedenen Expert*innen zur Entscheidungsfindung zurückzog, folgte am frühen Sonntagnachmittag dann die tolle Nachricht: Für unser emsiges Arbeiten wurden die LOA-Lernfreunde mit einer Förderung belohnt! Insgesamt zeichnete die HOOU@HAW zwölf Projekte mit einer Gesamtfördersumme von 150.000 € aus.1 Wir gratulieren!

Zeit für ein Gruppenfoto: Gemeinsam haben andere Teilgeber*innen und wir Anne Peters bei der Antragstellung für eine Förderung und dem Pitchen unserer Idee einer Lernwegsdokumentation unterstützt.Quelle: EDU-Werkstatt GmbH | All Rights Reserved
Zeit für ein Gruppenfoto: Gemeinsam haben andere Teilgeber*innen und wir Anne Peters bei der Antragstellung für eine Förderung und dem Pitchen unserer Idee einer Lernwegsdokumentation unterstützt.
Was nehmen wir vom #OERcamp mit?

Das #OERcamp in Hamburg war für uns die erste Veranstaltung dieser Art und wird auch nicht die letzte bleiben! Drei Erkenntnisse haben wir aus unserer Teilgabe gewonnen:

  1. Die OER-Community lebt vom Austausch: Dieser hört jedoch nicht beim Teilen von Unterrichtsmaterialien auf. Auch Erfahrungen und Know-how werden offen geteilt. Gleichzeitig kommen bei #OERcamps Akteur*innen verschiedenster Professionen zusammen, wodurch der eigene Erfahrungsgewinn weiter steigt.
  2. Barcamps – Teilgabe als Erfolgsgarantie: Neu war für uns auch der Veranstaltungstyp eines Barcamps. Das besondere daran ist, dass lediglich ein grober Rahmen, sozusagen ein „leerer Stundenplan“, vorgegeben ist, der dann mit Inhalten durch die Teilgeber*innen gefüllt werden muss. Dass dies jedoch so gut wie in Hamburg funktionieren würde, übertraf unsere Erwartungen. Insgesamt wurden ungefähr 64 Session angeboten. In den Sessions erhielten wir zum einen viele nützliche Informationen zum Thema OER, nach denen wir ansonsten viele Stunden hätten recherchieren müssen. Zum anderen konnten wir Kontakte für zukünftige Projekte und Kooperationen knüpfen.
  3. Zuletzt möchten wir euch noch zwei Empfehlungen zur Beschaffung von Bildern unter offener Lizenz geben, denn nur wenn alle Bestandteile eines Materials unter einer CC-Lizenz stehen, kann es als OER veröffentlicht werden. Für die Suche von Bildern können wir euch Unsplash empfehlen. Hier findet ihr über 1,5 Millionen Bilder, die alle unter einer Unsplash-Lizenz (ähnlich CC0) zur Verfügung stehen. Falls ihr auf der Suche nach freien Emojis seid, empfehlen wir euch OpenMoji. Alle Emojis könnt ihr unter CC BY-SA 4.0 nutzen.
Lust auf mehr OER?

Habt ihr Lust bekommen selbst an einem #OERcamp teilzunehmen? Dann informiert euch auf der Website zu den nächsten Camps. Wenn ihr selbst plant OER an eurer Schule zu erstellen oder ein OER-Projekt starten wollt, bei dem zum Beispiel Schüler*innen zu Ersteller*innen werden, wendet euch gern an uns!

1Für weitere Informationen: Yaylas Wiese e.V.: Die Lernmethode. Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 04.03.2020 und Yaylas Wiese e.V.: LOA – Lernen ohne Aufgaben. Neu hier?! Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 04.03.2020
2Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg): Teilnahme-/Förderbedingungen. Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 12.03.2020.