OER im Qualitätscheck - Die Schulwerkstatt

OER im Qualitätscheck

Open Educational Resources besitzen ein großes Potential für die Innovation und Öffnung des Bildungsbereichs. Zum einen stehen die erstellten Konzepte und Materialien unter einer offenen Lizenz zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung. Zum anderen wird durch das Teilen eigener und das Weiterentwickeln und Evaluieren fremder Unterrichtsideen eine neue Qualität der Zusammenarbeit erreicht. Weitere Informationen zu dem Konzept von OER findet ihr in unserem Blogeintrag „Open Educational Resources: offene und zeitgemäße Bildung“ und beim Team OERinfo: Was ist OER.1

OER vs. Schulbuch?

Eine Hürde der Nutzung von OER ist die Unsicherheit hinsichtlich der Qualität der Unterrichtsideen. Diesbezüglich  scheint die Autorität des Schulbuchs ungebrochen. Während diesen teilweise blind vertraut wird, begegnen viele Lehrerinnen und Lehrer Unterrichtsideen unter offener Lizenz mit gewisser Skepsis. Diese bezieht sich jedoch nicht nur auf die fachliche Richtigkeit, sondern auch auf ungewohnte Vorgehensweisen und Methoden, die von den bekannten abweichen.

Nele Hirsch (Gründerin des eBildungslabors) und Miriam Menzel (Redaktionsmitglied der KOOPERATIVE BERLIN) machen jedoch klar, dass sich Schulbücher und OER prinzipiell nur in ihrem lizenzrechtlichen Status unterscheiden: „freie Verfügbarkeit von OER versus der proprietäre Charakter bei Schulbüchern.“2 Außerdem sollten Lehrende nicht nur OER, sondern auch Schulbücher vor dem Einsatz im Unterricht einer Prüfung unterziehen. Das betrifft nicht nur den Inhalt des Materials, sondern auch dessen pädagogische und (fach-)didaktische Eignung. Für OER liegen hierfür bereits verschiedene Checklisten vor. Sie unterscheiden sich in ihrer Ausführlichkeit und der Wahl der jeweiligen Kriterien zum Teil aber erheblich.

edulabs Berlin: fünf Basiskriterien für OER

Die edulabs Berlin stellen auf ihrer Website eine Auswahl von Unterrichtsideen unter freier Lizenz zur Verfügung. Sie wurden in Bezug auf fünf Kriterien geprüft:3

  • Sind die verlinkten Materialien mit einer offenen Lizenz nachnutzbar? (= CC0, CC-BY oder CC-BY-SA nach der Open Definition)?
  • Fördern die Unterrichtsideen Partizipation und digitale Mündigkeit (handlungsorientierter Unterricht)?
  • Sind die Materialien anschlussfähig für die Kompetenzen „Bildung in der digitalen Welt“ der KMK?
  • Sind sie gut (möglichst „schlüsselfertig“) aufbereitet für Lehrende?
  • Sind die Unterrichtsideen und Materialien inhaltlich und fachlich aktuell oder zeitlos?
werkstatt.bpb.de: zwei Checklisten für drei Bedarfsfälle

In einem Workshop der werkstatt.bpb.de erarbeiteten die Teilnehmer*innen zwölf Kriterien für zwei Checklisten verschiedener Bedarfsfälle. Neben einer Checkliste für vorhandene Materialien sowie eigene Unterrichtsideen formulierten sie auch Empfehlungen für die Qualitätssteigerung vorhandener OER. Die zwölf Checkfragen beziehen sich sowohl auf Inhalt und Form des Materials als auch auf dessen Wiederverwendbarkeit. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, dass die Ressource in einem offenen Dateiformat vorliegt. Denn nur so können andere Nutzer*innen selbst Anpassungen am Material vornehmen und dieses weiterentwickeln. Außerdem fragt die Checkliste, ob andere Lehrkräfte bereits positive Erfahrungen mit der OER gesammelt haben.
Um die Qualität vorhandener Bildungsmaterialien zu steigern, empfehlen die Workshopteilnehmer*innen, beispielsweise fremdsprachige Materialien zu übersetzen. Des Weiteren könnten didaktische Anmerkungen und Erläuterungen ergänzt werden. Durch diese wird die Wiederverwendung anderen Lehrkräften erleichtert. Ebenfalls kann das Abgeben von Bewertungen und Verfassen von Kommentaren zu einer zukünftigen Qualitätssteigerung beitragen.4

Deutsches Institut für Erwachsenenbildung: Lizenzrecht und Kooperation im Fokus

Eine weitere Übersicht von Checkfragen bietet das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE). Auch das DIE hebt hervor, dass sich der Großteil der Qualitätsprüfung von klassischen Lehr-Lernmaterialien auch auf OER übertragen lässt. Dies gilt vor allem für inhaltliche, formale und didaktische/pädagogische Gesichtspunkte. Darüber hinaus rücken jedoch vor allem lizenzrechtliche Fragen und die Kooperation zwischen Erstellenden und Nutzenden von OER in den Fokus. So sollte es sich bei der Lizenz um eine offene Form wie CC BY-SA handeln und diese auf dem Material vermerkt sein. Zudem sollte anderen Nutzer*innen die Möglichkeit gegeben werden, Kontakt zum*r Ersteller*in aufnehmen zu können. Nur so kann eine Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen gewährleistet werden.5

Fachmagazin Synergie: OER-Qualität aus wissenschaftlicher Perspektive

Noch umfassender haben sich Prof. Dr. Kerstin Mayrberger (Professorin für Lehren und Lernen an der Hochschule mit dem Schwerpunkt Mediendidaktik, Universität Hamburg), Dr. Wolfgang Müskens (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement, Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg) und Prof. Dr. Olaf Zawacki-Richter (Professor für Wissenstransfer und Lernen mit neuen Technologien, Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg) mit der Frage der Qualitätssicherung für OER auseinandergesetzt. Sie wandten sich der Thematik aus wissenschaftlicher Perspektive zu und operationalisierten 15 Skalen. Diese können sechs Sphären zugeordnet werden:6

  1. Inhalt: fachwissenschaftliche Fundierung, Zielgruppenorientierung sowie inhaltliche Wiederverwendbarkeit
  2. Didaktisches Design: Alignment, Kollaboration und Interaktion sowie Anwendung und Transfer
  3. Assessment
  4. Zugänglichkeit: CC-Lizenz, Zugang für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Zuverlässigkeit und Kompatibilität
  5. Usability: Struktur, Navigation und Orientierung, Interaktivität sowie Design und Lesbarkeit
  6. Technische Wiederverwendbarkeit
Aus vier mach eins: die Checkliste der Schulwerkstatt

Diese vier Vorschläge zur Qualitätssicherung von OER hat die Schulwerkstatt zu einer eigenen Checkliste gebündelt. In ihr unterscheiden wir die Dimensionen Inhalt, didaktisches und pädagogisches Design, Assessment, Zugänglichkeit und Kooperation, Technik sowie Lizenz/Urheberrecht. Grundsätzlich kann das entstandene Instrument auch zur Beurteilung klassischer Unterrichtsmaterialien verwendet werden. Lediglich die lizenzrechtlichen Gesichtspunkte sowie die die Kooperation betreffenden Kriterien sind OER-spezifisch. Greift gerne auf unseren Qualitätscheck bei der Erstellung eigener und Überprüfung fremder Ressourcen zurück. Für Änderungsvorschläge sind wir immer offen!

Downloads

1 Team OERinfo: Was ist OER. Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 10.01.2020. Lizenz: CC BY 4.0.
2Nele Hirsch/Miriam Menzel: Sind OER eine Alternative zum Schulbuch? Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 19.12.19. Lizenz: CC BY-SA 4.0.
3Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.: Über die Sammlung. Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 19.12.19. Lizenz: CC BY 4.0.
4Birgit Frost/Nele Hirsch: Drei Checklisten zur Qualitätsbestimmung und -entwicklung von OER. Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 19.12.19. Lizenz: CC BY-SA 4.0.
5Jan Koschorreck (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE)): Qualitätsmanagement von offenen Bildungsressourcen. Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 19.12.19. Lizenz: CC BY 4.0.
6Kerstin Mayrberger/Wolfgang Müskens/Olaf Zawacki-Richter: Qualitätsentwicklung von OER. Online verfügbar. Zuletzt geprüft am 19.12.19. Lizenz: CC BY 4.0.