Matheunterricht 2.0: Digitale Tools im Fach Mathematik - Die Schulwerkstatt

Matheunterricht 2.0: Digitale Tools im Fach Mathematik

Auch 18 Jahre nach PISA kein Land in Sicht

Im Oktober 2019 stellte das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) die Ergebnisse seines aktuellen Bildungstrends vor. Hierfür testete das Institut den Wissensstand von insgesamt 45.000 Schüler*innen aller Schulformen und aus allen Bundesländern. Fazit: Vor allem im Fach Mathematik sind die Probleme groß. Dort erreichen 55% der Lernenden nicht die Anforderungen der Kultusministerkonferenz. Davon erfüllen wiederum 24% nicht einmal das angestrebte Minimalziel (Quelle: Jacobs, Philipp: Nirgendwo Fortschritte in Mathe. In: RP-Online. Online verfügbar. Zuletzt geprüft am: 08.11.19.). Der Bedarf einer Verbesserung des Matheunterrichts ist groß, doch wie kann diese gelingen?

Dass digitale Tools bei der Bewältigung der „Baustelle Matheunterricht“ einen großen Anteil haben werden, steht für die Referenten des Meetups „Vier Beispiele: Was bringen Apps im Mathe-Unterricht?“ außer Frage.

bettermarks: Diagnose und Förderung in einem

Die genaue Identifikation von Defiziten, gezieltes Üben und ein umfangreiches Feedback für Lehrkräfte kombiniert die Online-Plattform bettermarks. Lehrkräfte legen hierfür Klassen an, denen sie die einzelnen Schülerinnen und Schüler zuweisen. Den Lernenden werden dann Übungsaufgaben zugeteilt. Treten bei den Schüler*innen Probleme beim Lösen der Aufgaben auf, erläutert bettermarks die einzelnen Lösungsschritte ausführlich. Nach dem Lösen erhalten die Lehrkräfte eine Rückmeldung über den Lernstand der Schülerinnen und Schüler. Hierfür hat bettermarks, orientiert an den Lehrplänen der einzelnen Bundesländer, Lernziele definiert. Anhand dieser werden Wissenslücken der Schüler*innen festgestellt und so die Grundlagen für ein zielorientiertes Üben geschaffen. Bettermarks ist kostenpflichtig. Eine Schullizenz für Schulen mit mehr als 200 Schüler*innen kostet jährlich 10,- € pro Schüler. Grundsätzlich kann es jedoch auch privat von Schüler*innen genutzt werden.

Maphi: Die interaktive Mathematik-App

Eine interaktive Lernerfahrung möchte Maphi bieten und konzentriert sich dabei auf den Bereich der Analysis. Beim Üben mit der App führen die Lernenden keine Berechnungen im klassischen Sinne durch, sondern bewegen einzelne Elemente eines Terms oder einer Gleichung über Drag&Drop aufeinander. Maphi führt den jeweiligen Rechen- oder Umformungsschritt dann selbst aus und gibt Hinweise, auf welchen mathematischen Gesetzen dieser basiert. Ebenfalls können Terme und Gleichungen manuell eingegeben und gelöst werden. Im Unterschied zu bettermarks wird Maphi als kostenlose und als Pro-Version angeboten.

Anton: Der kostenlose Allrounder

Auch Anton bietet vielfältige Möglichkeiten des selbstständigen Übens. Aufgaben gibt es jedoch nicht nur für den Matheunterricht (1.-10. Klasse), sondern auch für Deutsch (1.-10.Klasse), den Sachunterricht, Musik und Deutsch als Zweitsprache. Anton kann sowohl in einer Webversion als auch als App genutzt werden und ist kostenlos. Die Lernenden können Anton privat verwenden oder von ihrer Lehrkraft einer Klasse zugewiesen werden. Nach dem Anlegen einer Klasse kann der*die Lehrende den Schüler*innen Aufgaben zuteilen. Im Anschluss an das Bearbeiten einzelner Aufgaben erhält die Lehrkraft ein Feedback über die Ergebnisse der Schüler*innen. Diesen werden beim Lösen der Aufgaben zudem Erklärungen und Hinweise bereitgestellt.

math.media.lab: Digitale Anwendungen zum Trainieren der Problemlösungskompetenzen

Ein anderes Konzept vertritt das math.media.lab des Lehrstuhls Mathematik in der Primarschule der Humboldt-Universität. Das math-media.lab ist Ort der phasenübergreifenden Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und möchte digitale Medien nicht zum Üben, sondern zum Trainieren des kreativen Problemlösens einsetzen. Hierfür entwickelt es eigene Anwendungen wie Pentomino+Dash und evaluiert die MINT-Software anderer Anbieter. Auch können Lehrkräfte beim math.media.lab Geräte wie Tablets ausleihen.

Digitale Anwendungen können zum Üben des Rechnens (bettermarks, Maphi, Anton) sowie zum Trainieren der mathematischen Kompetenzen zum Lösen von Problemen eingesetzt werden (math.media.lab). Um das Potential der Online-Plattformen und Apps zu nutzen, ist es Teil unserer Aufgaben, diese an die Schulen zu bringen, um so eine Steigerung der Unterrichtsqualität durch die Kombination digitaler und analoger Methoden und Techniken zu bewirken. Insbesondere im Fach Mathematik bestehen dabei noch vielfältige Verbesserungsmöglichkeiten.